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2 Tag (06.11.2006)

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Wir stehen früh auf und naschen zum letzten Mal vom köstlichen und reichhaltigen Frühstücksbuffet. Unsere Taschen haben wir schon am Vortag nach der Show gepackt und somit waren wir streßfrei und überpünktlich am Bus. Um 08:30 Uhr ging es los. Wir fuhren wieder durch die Straßen Havannas, an den großteils schäbigen Häusern vorbei, die wir meist schon gesehen haben. Der Bus hielt vor einer Zigarrenfabrik an. Clara sagte uns, daß es strengstens verboten ist zu fotografieren und wir sollten die Kameras und am besten überhaupt unsere Taschen im Bus lassen. Am Eingang mußten wir warten. Offenbar wußte man nichts von dem Touristenandrang. Nach einigem hin und her durften wir dann endlich hinein. Mittlerweile habe ich mich an den eigenartigen Geruch, der uns schon am Eingang umhüllte, gewöhnt. Wir wurden in einen Raum geführt, wo die Tabakblätter entstielt und somit geteilt wurden. Die Arbeiterinnen (und ein Arbeiter :-) ) strichen die Blätter dann glatt und sortierten sie nach Farbe. Die Ausbildung zum Zigarrendreher dauert übrigens 9 Monate und im Werk gibt es auch gleich die Berufsschule. Im nächsten Raum sahen wir dann, wie die fast fertigen Zigarren in Form gepresst wurden. Der Arbeitsgang dazwischen, wo das Innere der Zigarre gemischt wird, durften wir nicht sehen. Dieser Bereich ist streng geheim und darf nur von von denen betreten werden die dort arbeiten. Nicht einmal ein Arbeiter aus einer anderen Abteilung darf dort hinein. Also sehen wir einige Reihen von Tischen wo die Arbeiter/innen das vorletzte Blatt um die Zigarren wickeln. Im Inneren, soviel hat uns Clara sagen können, befindet sich eine Mischung verschiedener Blätter, die über Geschmack, Aroma, Brenndauer, etc. bestimmen. Dann werden die Zigarren zugeschnitten und in Models gelegt. Wenn die Model voll ist, es passen so 5 bis 10 Zigarren hinein, wird sie in eine Presse gespannt. Es wird nach Akkord gearbeitet. Je nach Zigarrengröße ist die Menge bestimmt, die am Tag geschafft werden soll. Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, sind es für die großen Zigarren 70 bis 100 Stück und für die kleinen 100 bis 130 Stück. In jede Zigarrenschachtel wird ein Zettel gelegt, wo das Datum des Drehens und die Tischnummer drauf steht. Mittels einer Kennzeichnung wird auch die Qualität des Arbeiters überprüft. Macht er Fehler, wirkt sich das negativ auf seinen Lohn aus. Eine Zigarre sollte man innerhalb eines Jahres genießen, danach verliert sie an Geschmack. In einer Fabrik werden alle Marken/Sorten hergestellt. Also kommt die "Monte Cristo" genauso wie die exklusive "Cohiba" aus der selben Fabrik. Angeblich werden in dieser Fabrik täglich 3.000 Stück produziert.

Davon haben wir anschließend im Shop nichts bemerkt. Nicht nur, daß zwar Kreditkarten akzeptieren, aber das Kartenlesegerät leider nicht funktionierte (als ob es keine andere Möglichkeit gäbe), hatten sie die Kiste Zigarren, die Reto für seinen Kollegen kaufen wollte, nicht lagernd. Das Ausstellungsstück, das vor über einem Jahr gepackt wurde, wollten sie ihm andrehen. Also entschied sich Reto die nächstkleinere zu nehmen und kratzte dafür sein Bargeld zusammen. Für die Kiste stellte uns die Verkäuferin eine Rechnung aus. Reto kaufte noch 4 einzelne Zigarren, was die Gute etwas verwirrte. Sie tippte alles in ihren Rechner und es machte 201,55 cuc aus. Reto gab ihr 203,- cuc. Hm, was tun? Die Anzeige am Rechner war erloschen. Gemerkt hat sie sich den Betrag nicht. Also noch mal tippen, 4 mal Zigarren und eine Kiste. O.K., soweit so gut, und dann noch das Geld des Kunden, phu, gar nicht so einfach. Aber unter Mithilfe der Kollegin hat sie die 1.45 cuc Retourgeld dann ausgerechnet. Jaja, Reto verwirt halt manchmal die Damenwelt. Nachdem wir nun endlich die verdammten Zigarren hatten, die gesamte Busmannschaft hat geduldig auf uns gewartet, ging es raus aus der Stadt Richtung Cienfuego. 

Clara erzählte und erzählte, aber mir vielen leider bald die Augen zu. Die letzte Nacht war halt doch etwas kurz und die letzten Tage etwas energieraubend. Aber die Fahrt war lang und somit hatte ich doch einige wache Momente in denen ich etwas mitbekommen habe. Zum Beispiel die riesigen Plantagen entlang der Straße, Zuckerrohr, Bnanen, Orangen und Zitronen. Immer wieder diese eigenartigen kleinen Wohnhäuser, viele alte Autos, LKW´s und Busse die oft ziemlich die Luft verpesteten, aber auch viele Pferdekutschen. Vereinzelt grasten auch immer wieder Pferde, manchmal auch gesattelt, am Straßenrand. Auch viele Ziegen und massenhaft Kühe. Fast jede Kuh hatte einen persönlichen Vogel, der sie auf Schritt und Tritt begleitete. Sah irgendwie lustig aus und es fiel mir auf. das nur Kühe, Ochsen und Wasserbüffel, also kurz gesagt Rindviecher, von so einem Vogel begleitet wurden. Ich habe sonst nur 2 Pferde entdeckt, aber Ziegen mit Vogel überhaupt nicht. Da soll mal einer sagen, daß eine Ziege einen Vogel hat. Ansonsten sah man immer wieder Hunde, schon Havanna war voll von Streuern. Aber meist waren die besten Freunde der Menschen in einem jammervollem Zustand. Die Hunde scheinen zwar alle ein freundliches Wesen zu haben, aber sind so schäbig, daß nicht mal ich sie angreifen möchte, und das will was heißen, denn ich bin ein ausgesprochener Hundenarr.

Schließlich hielten wir vor einer Art Minizoo. Da kam ein Mann daher mit einem Babykrokodil und hielt es den Touristen hin, aber alle schreckten angewidert zurück. Er tat das Krokodil in einen Korb und fädelte eine Schlange heraus. Ich ging hin und tippte ihm auf die Schulter. Ich zeigte auf das Krokodil, denn mir hatte er es nicht hingehalten. Ich wollte es aber gerne mal halten. Also gab er es mir und da kam auch schon eine anderes Paar aus der Gruppe und sie wollte das Kroko auch mal halten. Inzwischen ließ ich mir die Schlange um den Hals legen. Die wollte sie lieber nicht halten, aber das Kroko fand sie süß. Ich konnte sie wenigsten überreden die Schlange mal anzufassen. Ich sagte das ist auch nichts anderes als eine Handtasche anzufassen. Naja, es war nicht ganz das selbe, aber ich habe da ein paar Westernboots, die fast genauso..... ach, lassen wir das. Natürlich machten wir Fotos und es kostete pro Tier 1,-cuc. Und natürlich waren die Mäuler der Tiere mit Klebestreifen umwickelt. Das Kroko war gerade erst mal 4 Tage alt. Wir drehten im kleinen Park ein paar Runden und sahen noch einen Büffel, Schildkröten, die putzigen Baumratten, noch weitere Schlangen und verschiedenes Federvieh. Dann ging es endlich weiter zur großen Krokodilfarm. Vorher legten wir noch einen kleinen Stopp beim Restaurant ein um unser Essen vorzubestellen.

In dieser Großen Krokofarm gab es nun die richtig großen Biester. Mit einem etwas kleineren Exemplar konnte man sich fotografieren lassen, aber es gefiel mir nicht wie das ganze aufgezogen war. Der Typ setzte einem seinen Hut auf und zu allem Überfluß bekam das arme Tier auch einen kleinen Strohhut aufgesetzt. Na danke, das ist ja eklig. Am Weg zum großen Gehege gingen wir durch ein Lokal durch und, oh Überraschung, da spielte eine Band. Da stürmt der Bandlieder auf mich los und drückt mir so ein Schelleninstrument in die Hand. Ich mußte zwischen seinen beiden Kollegen Platz nehmen, aber das war kein besonders lukrativer Job, denn als ich endlich wieder von meinem Job entlassen wurde, hielt man mir auch noch eine Kokosnuß, in der schon ein paar Scheine lagen, unter die Nase. Also wieder ein paar Pesos Trinkgeld hergeben. Reto hat meinen Ausflug ins Showbusiness wenigstens fotografisch festgehalten.

Die Tiere waren sehr beeindruckend und sahen aus wie kleine Drachen ohne Flügel. Ich mußte an "Dreagonhart" denken. Die Höcker über den Augen der Krokodile sahen irgendwie beeindruckend aus. Wir machten viele schöne Fotos und drehten eine Runde um den Krokoteich. Dann ging es weiter zum Restaurant. Das Buffet, oder besser gesagt Buffetchen, war eher bescheiden, aber das Hühnchen mit Käse überbacken war sehr lecker und vom Orangensaft bestellte ich sogar nach. Als wir alle satt waren ging es weiter nach Cienfuego.

Wir erfuhren, daß die Stadt nach einem Senator, oder sowas, benannt wurde. Die Städte tragen meist die Namen berühmter Menschen oder hatten einen religiösen Touch. Trinidad bedeutet zum Beispiel Dreifaltigkeit, aber wieso man eine Stadt und eine Region Matanzas benannt hat, was soviel wie Massaker, Gemetzel, Blutbad heißt, finde ich doch sehr morbide. In Cienfuego machten wir mit Clara noch eine kleine Führung. Die Stadt ist für kubanische Verhältnisse wirklich sehr schön. Die Häuser sind nicht ganz so verfallen wie in Havanna und es scheint auch viel sauberer zu sein. Wir sahen uns das berühmte "Thomas Terry" - Theater an, das seit gut 150 Jahren unverändert war.

Im Hotel angekommen bekamen wir einen Begrüßungscocktail und der Hoteldirekor oder -Manager begrüßte uns mit einer netten Ansprache. Er erklärte uns das Hotel und lud uns zum Schwimmen im Pool, in das Restaurant und an die Bar ein. Sogar der hauseigene Masseur wurde uns vorgestellt. Offenbar war sich der Mann dessen nicht bewußt, daß wir nur eine Nacht in seinem schönen Hotel blieben. Aber wir waren sehr beeindruckt, daß wir so familiär aufgenommen wurden und das auch noch in einem gar nicht mal so schlechten deutsch. Das Hotel war wunderschön, gemütlich. im Kolonialstil, sauber, mit 2 schönen Innenhöfen und wunderschön gepflegt. Wir wären gerne länger geblieben, aber leider ging es um 08:30 Uhr wieder los.